09/2007

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09/2007

  • Freitags unvorsichtigerweise den Fernseher eingeschaltet und durch die Programme geschaltet ("gezappt"), spricht eine Frau Sonja Kirchberger gerade: "Mallorca war ja schon vor meinem Sohn da, zu dem ich sehr close bin." - Hilfe, wo ist der Ausschalter?
  • Unsere Politiker sind ja generell sehr erfindungsreich in Bezug auf Begriffe und Phrasen. Eine solche, die man sehr oft hört, ist z.B.: "Wir haben das Gesetz auf den Weg gebracht." Herr Bundesminister Glos sprach sogar davon, dass "Ziele auf den Weg gebracht wurden." Das ist ein sehr schöner Zug, meine Damen und Herren Politiker. Es, das auf den Weg gebrachte, wird dann allerdings leider allzu oft auf eben diesem Weg allein gelassen, es nimmt vielleicht auch nicht die richtige Richtung und deshalb hört man leider sehr, sehr selten die Feststellung "Dieses und jenes Resultat haben wir erreicht."
  • "Jenseits von Gut und Böse" wird mittlerweile völlig falsch verwendet, meist für im übertragenen Sinne "extrem böse", aussätzig, abnormal weit weg vom Standard der Gesellschaft. Dabei bedeutet es doch eigentlich Mittelmaß, Durchschnitt, unauffällig, nicht der Rede wert, stinknormal, nix zu feiern und nix zu betrauern. In der Bundesliga ist eine Mannschaft im Mittelfeld spätestens nach dem letzten Spieltag jenseits von Gut (Meisterschaft, Europacup-Qualifikation) und Böse (Abstieg). (danke Wolfram) Was lehrt uns das? ePages 5 soll keinesfalls jenseits (also zwischen) von Gut und Böse sein!
  • Kleine Stilkunde: selber, gerne, alleine - im standardsprachlichen Gebrauch, also wenigstens im schriftlichen Deutsch, sollten stilistisch besser die Formen selbst, gern und allein benutzt werden.
  • Gestern erhielt ich eine Ansichtskarte aus Dresden. Auf der Rückseite der offizielle Aufdruck "Schloss Pillnitz, Sommerresidenz August dem Starken". Wegen "dem Dativ" an der falschen Stelle bekomme ich noch Magengeschwüre;-)
  • Zum gleichen Thema bei Heise.de (http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=12479958&forum_id=114743): Zum Ausstieg Shai Agassis bei SAP schreibt ein User "Der gute Mann hat doch nur einen Bachelor und nicht einmal einen Master, geschweige einen ordentlichen Diplom." Dies kann ein zweiter User natürlich nicht auf sich beruhen lassen und kontert mit "Der Master ist einem Diplom gleichwertig." Also, wegen dem sächlichen Geschlecht von Diplom (nicht der, sondern das Diplom) kräuseln sich zuerst die Nackenhaare, infolge dem uns dann der geballte Dativ entgegen schlägt, statt dem Genitiv. Aber mal ehrlich, wenn heute einer auf der Straße "Der Master-Abschluss ist eines Diploms ebenbürtig." sagte, dann würde mindestens die Hälfte der Leute denken "Wow - der muss wirklich studiert haben, wenn er so gestelzt daherredet."
  • Aus der Beschreibung des Produktes Fritz!Fon 7150: "…Voipen bei ausgeschaltetem PC" (danke Jürgen) - klar, wenn es googlen, skypen und simmsen gibt, warum nicht auch voipen? Apropos SMS: Man kann eigentlich keine SMS verschicken, sondern lediglich den Short Message Service nutzen. Man schickt daher genau genommen eine SM. Aber Vorsicht vor "SM-Service" - das könnte missverstanden werden.
Mehr über: denglisch, genitiv